Gedanken zur Kunstbetrachtung

Im Januar 1974 schrieb Margret Hofheinz-Döring:

 

"In der Landschaft des Lebens ist Kunst ein Gartenbeet, ein Garten für die menschliche Seele, bestellt mit den Mitteln der bildhaften Gestaltung. Die Teilnahme des Künstlers durchdringt und ordnet am Chaos, in dem sich Steine, Menschen, Wälder, Straßen usw. bewegen und stoßen. Die Musik lebt von Tönen und Melodien, das Bild von Farben und Formen. Die Aktionen der Linien, Farben und Formen auf der Bildfläche ergeben die Komposition. Das Bild ist nicht Abbild, sondern Entdeckung. Die Bildidee entspringt einem ganz eigenen magischen Bereich geistiger Kräfte. Um irgendein kleines Etwas kann sich die Gestaltung zu kristallisieren beginnen, z. B. eine Wurzel, eine Figur, ein Gesicht, oder aber auch ein inneres Erlebnis: ein Gedicht, Musik, ein Gespräch. Nie wird es endgültige Formen geben. Jeder Weg führt ins Unendliche. Modulationen und Rhythmik der Linien und Formen vergegenwärtigen die Bewegungen der menschlichen Seele. Wollen kann man Kunst nicht. Fleiß ist ein guter Nährboden, aber das, was das Kunstwerk auszeichnet, ist oft ein Nebenprodukt des eigentlich Gewollten. Virtuose Beherrschung der Mittel machen kein Kunstwerk. Das Schöpferische kommt ohne Zwang aus den Weiten des Geistes."